»I think music is a bit like love. You do it, but you don’t talk about it.«

»Das ist eine schöne Sache – weil man die Musik, da sie nicht materiell ist, durch Antasten nicht zerstören kann! Aber die Musik als solche ist ja auch unhörbar, das heißt, sie muß von Menschen aufgeführt werden, im Sinne einer bestimmten Tradition, einer Erziehung, die kontinuierlich sein muß – seit Mozart und Haydn haben wir eine kontinuierliche Tradition der Phrasierung, und ich denke auch an die noch lebenden großen ethnischen Kulturen, an den südlichen Teil von Afrika, an die islamische Kultur, an Nordindien… oder an den Jazz, eine Kultur, die nur halbschriftlich und zum Teil oral ist. Musik lebt dadurch, daß die Leute sie machen! Natürlich, man kann die Sixtinische Kapelle neu ausmalen – fragwürdig, ob das so schön ist, wie es früher war –; aber bei der Musik ist das anders, weil die Aufzeichnung in Schriftform nur eine ungefähre ist. So ist Musik zerbrechlicher als die Erzeugnisse der Bildenden Kunst.«

»Musik ist etwas, was in der menschlichen Kultur existiert, aber auch in anderen Kulturen, zum Beispiel bei den Vögeln, nicht nur als Kommunikation oder Sprache! Was Musik sei – es gibt keine Antwort! Wenn wir sagen, es gibt Musik, dann wissen wir, daß es etwas mit akustischen Vorgängen, also mit Klängen, zu tun hat – aber es ist nicht reiner Klang! Denn ein Klang ist ein Klang, und mehrere Klänge sind eben Klänge, aber das ist noch nicht Musik! Da waren so viele Mißverständnisse – wenn ich etwa wie in einem Stück von La Monte Young einen Klang lange aushalte, so kann ich das natürlich als Musik deklarieren; auf einer Documenta in den 60er Jahren gab es das schon, aber diese Ästhetik stammt eigentlich von Marcel Duchamp. Wenn man ganz andere Kriterien für Musik hat, zum Beispiel die eines Beethoven-Streichquartetts, dann ist das zu wenig – es ist Musik, aber es ist nicht eine allzu reiche Musik. Ein Beethoven-Quartett oder eine Bach-Fuge, das sind nicht einfach klangliche Strukturen, sondern etwas, das man mit diesem sehr undurchsichtigen, unklaren Terminus ›geistig‹ bezeichnet… Aber wenn ich sage ›ein geistiges Objekt‹, dann ist es auch wieder nur eine Seite der Sache, denn es sollte doch ›klingen‹! Anders gesagt: bestehen Goethes ›Römische Elegien‹ aus Buchstaben? Nein, sie werden nur durch bestimmte Zeichen auf dem Papier übermittelt, das Gedicht selbst befindet sich auf einer geistigen Sphäre, aber nur als geistige Struktur kann man es nicht wahrnehmen, es braucht die Wörter und die Sprache!«