Hinweis zum Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG)

Compofactur versteht das generische Maskulinum als neutrale grammatikalische Ausdrucksweise, die – wo nicht anders bezeichnet – ausdrücklich alle Geschlechter im Sinne der Gleichbehandlung umfaßt. Weibliche und anderweitige Geschlechteridentitäten sind dabei ausdrücklich mit gemeint, soweit es für die Aussage erforderlich ist. Die verkürzte Sprachform hat somit nur redaktionelle Gründe und beinhaltet keinerlei Wertung!

Im Interesse der besseren Lesbarkeit sowie der orthographischen und grammatikalischen Korrektheit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) bzw. auf eine geschlechtsspezifische Differenzierung, wie z.B. Musikerin/Musiker oder MusikerIn verzichtet.

Es ist in der deutschen Sprache stets zu unterscheiden zwischen ›genus‹ und ›sexus‹. Jakob Grimms Hypothese, daß das natürliche Geschlecht (›sexus‹) dem grammatischen Geschlecht (›genus‹) vorausgeht, ist obsolet und hat schon im 19. Jahrhundert Widerspruch erfahren. Die Realität wird dadurch willkürlich sexualisiert, und zwar allein aufgrund der Tatsache, daß wir von einem grammatikalischen Geschlecht sprechen. Die Verwirrung fußt also lediglich anhand der unglücklichen Terminologie.

Im Singular ergibt die Schreibung Musiker*in keinerlei Sinn. Es gibt schließlich nur den einen Musiker oder die eine Musikerin, wenn bestimmte Einzelpersonen damit gemeint sind. Und im Plural meint Musiker ohnehin schon immer weibliche Musikerinnen und männliche Musiker gleichermaßen.

Vorausgesetzt, Genus und Sexus wären eins, dann wäre streng genommen vermutlich auch Musikerin nur eine Ableitung von etwas quasi männlichem. Müßte es dann nicht eher Musikin heißen? Auch das Kunstwort Musizierende (abgeleitet vom Partizip präsens) erscheint denkbar ungeeignet. Das Partizip zur Statusbezeichnung ist sogar sinnentstellend. Ein/e Musiker/in bleibt stets Musiker/in, auch wenn er/sie gerade nicht musiziert.

Zugegeben, das ist eine sehr komplexe Materie, aber wahre Gleichbehandlung entsteht am Ende des Tages allein durch Veränderung im Denken und im respektvollem Umgang miteinander und nicht aus einem komplizierten, grammatikalisch und linguistisch problematischen Ändern der deutschen Sprache. Gleichbehandlung sollte aus persönlicher Überzeugung (was schon lange selbstverständlich sein sollte) hergeleitet werden und nicht durch Indoktrination eingeleitet werden. Daher kann eine Art vorauseilende Sprach-Gendarmerie, die Menschen zu einem korrektem Verhalten miteinander per Sprachregelung hinführen will, m.E. nicht die Antwort sein. Schlimmstenfalls kann sie sogar kontraproduktiv wirken, weil die Sprachregelung Widerstände auslöst und dies schon allein deshalb, weil sie quasi ideologisch wirkt. Ob Veränderungen in der Sprache real zu gesellschaftlichen Veränderungen führen, ist in der Linguistik offenbar bis heute nicht abschließend geklärt.

Bei allem Verständnis für den Wunsch nach einer diversitätssensiblen und gendergerechten Sprache muß man sich auch mit der Frage befassen, ob der nachvollziehbare Zweck wirklich die Mittel heiligt. Von den Folgen auf die Rechtschreibung und die gesprochene Sprache (Betonungsverschiebung in der Lautsprache: Gender-Unterstrich, Gender-Stern, Gender-Doppelpunkt, Gender-Punkt usw.) ganz zu schweigen. Man denke nur an den sog. Kehlkopf-Knacklaut [phonetisch: ʔ] auch als Glottisschlag oder Gender-Pause bekannt.

Eine Musterlösung, die allen Geschlechteridentitäten und gleichzeitig der deutschen Sprache gerecht wird, scheint es nicht zu geben. Gleichstellung muß schließlich in Ländern mit Sprachen, die das Genus-Sexus-Problem gar nicht kennen (was auf rund 50% aller Sprachen der Welt zutrifft), ebenfalls möglich sein.

Danke für Ihr Verständnis.