»Die Musik enthüllt ihre Botschaft und Kraft nur dem, welchem sie sich zuvor als Rätsel kundgetan hat. Solange man sich keine Fragen stellt über das, was uns die Töne sagen wollen, befindet man sich noch auf der Stufe elementaren Genießens, auf der man keinerlei Anrecht auf jegliche Enthüllung oder Heilsamkeit hat.«

»Der Komponist, der Interpret oder Musikwissenschaftler kann mit seinen Fertigkeiten nichts anfangen, wenn er die Musik wirklich verstehen und nicht nur seine Denkweise in sie hineinprojizieren will. Vor der Musik sind wir als Hörer alle gleich – verstehen wird nicht derjenige, der mehr weiß, sondern derjenige, der sich bemüht. Das wiederholte Hören ist nicht als Forderung an diejenigen gerichtet, die weniger wissen, sondern an alle, die etwas von der Musik verstehen wollen, weil nur durch diesen Vorgang die Seele mit der gehörten Musik eins wird: nur als Ergebnis dieses Einswerdens, das keine Grenzen kennt, leuchtet das Verstehen auf und vertieft sich. Sich mit dem Lesen einer Partitur zu begnügen – was einem geschulten Musiker nicht nur zu jeder Zeit möglich, sondern auch sehr bequem ist – steht im Gegensatz zum erkennenden Verstehen: durch eine solche rein intellektuelle und fachmännische Betrachtung der Noten kann nicht jene Verschmelzung der Selle mit der Botschaft der Musik stattfinden, die nur beim wiederholten Hören des lebendigen Tones möglich ist.«