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| Vom Puszta-Fox und Stehgeigern |
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Wer erinnert sich noch an den deutsch-ungarischen Stehgeiger Barnabas von Geczy? Der Musiker Markus Goosmann (B.F.P. - die Red.) hat ihm ein Buch gewidmet.
Düsseldorf - Er war fünf Jahre alt, als er ihn zum ersten Mal hörte. Heute, mit 35 Jahren, hört er ihn immer noch gerne. Mehr noch: Der Musiker Markus Bernhard Goosmann hat nicht nur ein Buch über den deutsch-ungarischen Orchesterleiter Barnabas von Ceczy geschrieben, sondern sammelt auch alles, was er über den charismatischen Mann ergattern kann.
400 Schellack-Platten hat er auf Flohmärkten und bei anderen Sammlern bereits entdeckt, von einer Patentochter des vor 31 Jahren Verstorbenen hat er ein Original-Spencer Jackett sowie drei altmodische Fliegen geschenkt bekommen. Und weil von Geczy nach dem Zweiten Weltkrieg auch in Düsseldorf in der Rheinterrasse gespielt hat, würde sich der Musiker zudem über Erinnerungen von anderen Geczy-Fans freuen.
Goosmann, in Bayern und im Rheinland groß geworden, hatte von seinem fünften Lebensjahr bis vor eineigen Jahren direkt nichts mit dem Wirken des Orchesterleiters zu tun. Irgendwann hörte er eine ihm bekannte Melodie und fing mit der Recherche zunächst für eine Diplomarbeit an. Er telefonierte lebende Verwandtschaft ab, erkundigte sich hier, las dort, stieß auf viele Platten und hatte bald sein Bild des in den 20-er Jahren wohl bekanntesten Unterhaltungskünstlers vor Augen.
Der Geiger und Kapellmeister war schon mit 22 Konzertmeister an der Budapester Oper. 1924 nahm er ein Engagement als Stehgeiger in Norwegen an und gründete kurz darauf ein elfköpfiges Ensemble. Die Musiker traten im Berliner Esplanade auf und spielten sich in die Herzen der Hotelgäste. »Barna« war Liebling der Berliner. Von Berlin aus startete die Kapelle auch zu Deutschland-Tourneen, trat vor dem Prinzen von Wales auf, spielte zur Krönung Georgs VI. in London, vor Baron Rothschild, dem preußischen Kronprinzen und Hindenburg. 1949 trat er dann mit einem neuen Orchester wieder auf, machte in den 50-er Jahren auch Station am Rhein.
Hier hatte er mit Ernst August Quelle einen neuen Pianisten gefunden. 1971 starb er im Alter von 74 Jahren. Er war weltweit einer der wenigen Musiker, die vor 1939 mit einer Platte die Millionen-Grenze überschritten: Der flotte »Puszta-Fox« war damals der Ohrwurm. Aber auch »Schön war die Zeit«, »Der kleine Postillon« oder »Bei zärtlicher Musik« waren die Erfolgshits des smarten Geigers und Komponisten.
Jetzt läßt ihn der Düsseldorfer Goosmann wieder aufleben, erzählt in seinem Buch über Geczys Leben, setzt es in Bezug zur damaligen Zeit und seine Weggefährten und legt ab und zu auch in Altenheimen die alten Platten wieder auf. Und würde sich eben über Erinnerungen von anderen freuen: Telefon (02 11) 470 78 73
Anke Kronemeyer | | | Rheinische Post (Ausgabe Düsseldorf) vom 16. Mai 2002 - Mit freundlicher Genehmigung des Verlages |
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