|
|
 |
| »Goldene Palme« für Polanskis »Der Pianist« |
| |
Heute abend gewann Roman Polanski die »Goldene Palme«, den Hauptpreis der 55. Internationalen Cannes Film Festival für seinen Film »Der Pianist«. Der ebenfalls nominierte Film »The Man Without A Past« (Der Mann ohne Vergangenheit) des Finnen Aki Kaurismäki erhielt den »Großen Preis« der Jury. 22 Beiträge wetteiferten insgesamt um die »Goldene Palme«, die von einer Jury unter dem US-Regisseur David Lynch vergeben wurde.
Der Film erzählt die authentische Geschichte des jüdischen Musikers Wladyslaw Szpilman (im Film: Adrien Brody), der dem Warschauer Getto entkommt. Gerettet wird er zuletzt von einem deutschen Hauptmann (im Film: Thomas Kretschmann). Polanski, bekannt geworden durch Filme wie »Chinatown«, »Tanz der Vampire« und »Rosemary's Baby«, hat offenbar nicht mit dem Preis gerechnet, war er doch bereits abgereist. Nachdem er zurückgerufen wurde, bedankte sich Polanski gerührt, als er von der Schauspielerin Juliette Binoche (im langen schwarzen Abendkleid) die Palme überreicht bekam: »In bin geehrt und bewegt, einen so angesehenen Preis zu empfangen für einen Film, der Polen darstellt.« Der Film, eine deutsch-französische Koproduktion, wurde in Warschau, Brandenburg und im Studio Babelsberg bei Potsdam gedreht.
Polanski äußerte sich in einem gestern publizierten Interview mit der linksliberalen polnischen Zeitung Gazeta Wyborcza: »Heute herrscht die Überzeugung, daß alle Deutschen von den Verbrechen, vom Holocaust wußten. Ich meine, daß sie es nicht wußten. [...] Was sich in den dreißiger Jahren in Deutschland ereignet hat, hätte auch in Frankreich passieren können.« Damit sprach sich der aus Polen stammende Regisseur deutlich gegen stereotype Bilder von 'Deutschen als Nazis' aus, obwohl er selbst reichlich Grund dazu haben könnte: Polanski, der als Achtjähriger aus dem Krakauer Getto floh, dessen Mutter in Auschwitz ermordet wurde und dessen Vater Mauthausen überlebte, meinte, daß der Holocaust und seine jüdische Identität in seiner Familie ein Tabuthema gewesen seien.
Die meisten polnischen Juden hätten zudem ihre Identität in der Nachkriegszeit verschwiegen. Polanski erinnerte sich gar an antisemitische Ausschreitungen in Polen und erwähnte in diesem Zusammenhang: »Selbst später an der Filmhochschule in Lodz haben sich Leute, von denen bekannt war, daß sie Juden sind, nicht dazu bekannt [...] Ich war überrascht, als ich herausfand, daß in den USA Juden ihre Identität nicht verbergen.«
In seinem Film »Der Pianist« gehe es um Menschen und nicht um Politik: »Es gibt gute und schlechte Polen, Juden, Deutsche.« Polanski betrachtet den Holocaust in einer Welt von Religionskriegen, sog. ethnischen Säuberungen und Verfolgungen nicht als Einzelfall: »Vorher gab es nicht die Technologie, die ein solches Ausmaß möglich machte«, sagte er. Jederzeit und überall könnten Dinge passieren, die für unvorstellbar gehalten würden: »Selbst der 11. September wäre vorher nicht denkbar gewesen.«
Siehe auch in »PianoDepesche«: »Der Pianist« von Polanski in Cannes nominiert |
| |
|
| |
| mehr aus dieser Rubrik |
|
 |
|