»Kein anderes Lied, das je geschrieben wurde, ist mit ›Der Doppelgänger‹, seiner knappen, strengen Linie, den sparsam angewandten Schattierungen, dem Harmonieren von Text und Musik und seiner unmittelbaren Wirkung zu vergleichen.« Gerald Moore (1899–1987)

#SchubertLiszt

Orchestrierte Lieder von Franz Schubert (1797–1828) bilden in gewisser Hinsicht eine Vorstufe zur Gattung des Orchesterliedes, wie wir sie aus dem deutschsprachigen Raum vor allem von Komponisten wie Franz Liszt, Gustav Mahler, Richard Strauss, Hugo Wolf, Arnold Schönberg, Alban Berg, Anton Webern und Alexander Zemlinsky kennen. So namhafte Komponisten wie Hector Berlioz, Franz Liszt, Johannes Brahms und später Richard Strauss, Anton Webern, Arnold Schönberg, Max Reger, Benjamin Britten, aber auch so bedeutende Dirigenten wie Felix Mottl, Felix Weingartner und Hermann Scherchen haben Schubert-Lieder bearbeitet, um diese einem größeren Publikum im Orchesterkonzert nahezubringen. Bei alledem dürfte Schuberts Romanze aus dem Singspiel Rosamunde als Inspirationsquelle gedient haben.

Franz Liszt (1811–1886) hat sich sehr früh und zeitlebens für Franz Schubert eingesetzt. Dies bezeugen zum Beispiel seine zahlreichen Klavier-Transkriptionen von Schubert-Liedern, mit denen er vor allem während seiner intensiven Reisezeit als Pianist an den so früh verstorbenen Komponisten erinnerte und entscheidend dazu beitrug, dessen Lieder populär zu machen. Erwähnt sei hier nur Liszts Fassung von Schuberts sog. Schwanengesang (1838–39).

Die hiermit erstmals in einer wissenschaftlich-kritischen Ausgabe veröffentlichte Instrumentierung des Schwanengesang-Lieds Der Doppelgänger für Singstimme und Orchester von Franz Liszt entstand 1860 in Weimar. Der Komponist hat insgesamt sechs Schubert-Lieder instrumentiert, von denen vier im Jahr 1871 bei Robert Forberg in Leipzig erschienen sind. Das sechste Lied (Der Abschied) gilt seit langem als verschollen.

Mit der Edition des fünften Liedes wird eine Lücke geschlossen. Eine Erstausgabe erschien zwar bereits 2002 in einer Liszt-Zeitschrift, jedoch wurden für die Kritische Neuausgabe weitere Handschriften herangezogen. Die Auswertung der neuen Quellen lassen eine Revision in der Instrumentierung erkennen. So wurde das Englisch Horn zu Gunsten eines praktikablen und üblichen Holzbläsersatzes gestrichen. Ferner sind die Horntöne nicht gestopft, sondern gedämpft zu spielen. Somit bietet die Kritische Neuausgabe in Details ein anderes klangliches Ergebnis.

Das Vorwort erbringt bislang unberücksichtigte Erkenntnisse zur Entstehungs- und Aufführungsgeschichte und stellt die Quellen vor. Die Edition ist durch einen Kritischen Bericht ergänzt, der auf die Quellen detailliert eingeht.

Komponist: Schubert, Franz (1797–1828)
Arrangeur: Liszt, Franz (1811–1886)
Textdichter: Heine, Heinrich (1797–1856)
Edition: Spindler, Matthias (*1963)
Opus: Der Doppelgänger [S 375/5 · R 651/5]
Besetzung: Gesang – Orchester
Instrumente: 2 Fl · 2 Ob · 2 Kl (A) · 2 Fag – 2 Hrn (F) · 3 Pos – Pauk – Str
Tonart: h-Moll
Dauer: 04:00

Kritische Neuausgabe

  • Beruht auf allen erhaltenen Quellen
  • Mit Vorwort zur Entstehungs- und Aufführungsgeschichte sowie zu den Quellen
  • Mit Kritischem Bericht